laut tierärztlichen Praxen und Kliniken steigen jedes Jahr zur Weihnachtszeit die Vergiftungen von Hund und Katze deutlich an. Aber nicht nur das: In dieser Zeit des Jahres gibt es so einige unter Umständen lebensgefährlichen Utensilien für Tiere. Da wäre der Christbaumschmuck, Weihnachtssterne, Schokolade und sogar der Weihnachtsbaum selbst kann gefährlich werden. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass sich der deutschen liebste Jahreszeit und Katzen im Haus irgendwie im Wege stünden. Aber auf den zweiten Blick eröffnen sich auch tolle Alternativen, auf die Sie vielleicht ohne Ihre Katze gar nicht gekommen wären... ;o)
ALS TIPP VORAB: Suchen Sie sich im Vorfeld schon die Nummer vom Notdienst heraus! Ist ein Notfall
eingetreten,
muss alles schnell gehen – während es der Katze sehr schlecht geht, kommt einem das Suchen nach der Nummer wie eine
Ewigkeit vor! Bedenken Sie bitte auch, dass die Notarztpraxis oftmals mit einer weiteren Fahrt verbunden ist – da zählt jede Minute!
Trotzdem sollten Sie sich immer vorher anmelden, weil dann evtl. schon Vorbereitungen getroffen werden können (je nachdem was passiert ist). Ich weiß es ist schwierig aber versuchen Sie unbedingt ruhig zu bleiben! Bitte keine Hektik, schreien oder sonst etwas ähnliches – wenn Sie verzweifelt sind, ist es auch Ihre Katze und sie bekommt noch mehr Angst. Das sollte natürlich möglichst vermieden werden. Sprechen Sie ruhig mit der Katze, setzen sie in die Transportbox* und fahren ohne Zeit zu verschwenden direkt zum Notdienst! Am besten wäre wenn Sie jemand begleitet und auch fährt, dann können Sie die Katze mit der Tasche oder Box auf den Schoß nehmen.
*Sie haben natürlich jetzt ein riesen Problem, wenn Ihre Katze auch noch Angst vor der Box hat und sich in dieser Situation sogar noch versteckt! Wenn das sowieso so ist, dann melden Sie sich einfach bei mir! Das kann man sehr gut trainieren und wenn Ihre Katze sich dann irgendwann völlig angstfrei in die Transportbox setzen lässt, dann bin ich sicher, dass es Ihnen die Mühe wert war!
Ich habe das Wichtigste einmal für Sie zusammengefasst:
DER TANNENBAUM
Gefahrenquelle: Der Wasserbehälter in dem der Baum steht
Katzen trinken zwar generell nur wenig aber wenn sie es tun, dann gerne auch aus Quellen die ungeeignet sind und sei es nur deshalb, um die Neugier zu befriedigen. Doch das Wasser in dem der Baum steht, kann Harz und ätherische Öle von Nadelbäumen enthalten. Außerdem können sich im Wasser zusätzlich Pestizide und Düngemittel lösen und ansammeln. Ein zusätzliches Problem ist das abgestandene Wasser im Behälter. Das wird nämlich schnell zur einer Bakterienquelle. Und dann wären da noch die Nadeln…
Folgen:
Sollte die Katze dieses Wasser aufnehmen, kann es zu erheblichen Reizungen im Mundraum und Magen kommen. Durch die Bakterien könnten Magenprobleme dazu kommen. Kritisch wird es bei den Nadeln, denn die sind oft sehr hart und starr. Sie sind ebenfalls giftig aber das wird, bezogen auf das eigentliche Problem, fast zur Nebensache: Werden die Nadeln verschluckt, kann das zu schweren inneren Verletzungen führen!
Tipps zur Vermeidung:
- Decken Sie den Behälter ordentlich ab damit die Katze nicht an das Wasser gelangen kann
- Wählen Sie einen Baum der nicht so schnell und viel nadelt und bewahren ihn, solange dieser im Haus ist, ohne Wasser auf. Wenn der Baum wenig nadelt, beugt das auch dem Problem mit dem Verschlucken gleich ein Stück weit vor
- Kehren Sie regelmäßig die Tannennadeln auf und entsorgen diese unerreichbar
- Sie schauen nach einer Alternative, wie z.B. einem künstlichen Baum
Außerdem sollte der Baum „standfest“ sein und selbstverständlich so befestigt, dass er nicht umkippen kann – auch dann nicht, wenn die Katze sich das Bäumchen mal genauer ansehen möchte und darin herumkrabbelt… ;o)
Hat die Katze etwas vom Wasser aufgenommen und Sie bemerken, dass sie sich anders verhält als vorher, rufen Sie den Notdienst an, erklären was passiert ist bzw. sein könnte und erkundigen sich über die weitere Vorgehensweise.
Hat die Katze aber Nadeln verschluckt, ist das ein Notfall! Machen Sie sich bitte sofort auf den Weg!
DER CHRISTBAUMSCHMUCK
Gefahrenquelle: Kugeln aus Glas, Lametta und natürlich echte Kerzen
Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass diese Materialien nichts in einem Katzenhaushalt zu suchen haben. Und doch gibt es sie jedes Jahr wieder: Schwere und auch lebensbedrohliche Verletzungen! Hier gilt auch der folgende Satz nicht: „Also wir haben schon immer Lametta, Kerzen (…) benutzt. Unsere Katze ist da noch nie dran gegangen!“ Dazu sage ich nur folgendes: Auch wenn es zuvor 10 Jahre gut gegangen ist, ist das keine Garantie, dass es auch im 11ten so ist! Eigentlich weiß das jeder Katzenhalter – oder sollte es wissen. Dekorationen mit Glaskugeln sind deshalb so gefährlich, weil unsere Katzen nun mal sehr neugierig sind. Die glänzen und glitzern, bewegen sich wenn man sie berührt. Wenn die Mieze aber testen will, was sie wohl tun muss damit die Kugel vom Baum fliegt, wird es gefährlich, denn meist sind sie aus ganz dünnem Glas gefertigt und zerspringen beim Aufprall auf den Boden in gefühlte 1000 winzige Stücke! Bei uns gehen sofort die Alarmglocken an aber die Katze weiß nichts von Scherben, findet das bunte durcheinander auf dem Boden vielleicht noch schöner als am Baum und möchte sich das unbedingt mal aus der Nähe ansehen…
Folgen:
Scherben und Pfötchen vertragen sich nicht sehr gut. Gerade an der Pfote bzw. am Pfotenballen ist es äußerst schmerzhaft und blutet wirklich sehr stark! Da die Scherben so winzig und dünn sind, kann man sie nicht mal sehen. Und Sie müssen eine wirklich ausgesprochen entspannte Katze haben, die sich das in Ruhe anschauen und dann auch noch versorgen lässt. Auch hier gilt, an den Feiertagen ist guter Rat teuer!
Tipps zur Vermeidung:
- Es gibt ganz tolle Kugeln aus Holz, Kunststoff, Papier/Pappe etc. Die sind mindestens genauso hübsch und können niemanden verletzen.
Hier hängt es davon ab was geschehen ist. Lässt sich Ihre Katze versorgen und Sie stellen fest, dass es lediglich ein kleiner Schnitt ist, wird sich die Blutung schnell legen. Sie ist zwar stark aber meist auch kurz. Sind Sie aber unsicher oder die Katze zeigt deutliche Anzeichen von Schmerz, kommen Sie auch hier nicht um den Besuch beim Notdienst herum. Sie können natürlich auch erstmal dort anrufen und beschreiben was passiert ist. Manchmal ist man einfach nur erschrocken von dem vielen Blut. Das wird Ihnen der Tierarzt dann sicher alles erklären.
Ich dachte eigentlich, dass das ursprünglich mal heiß geliebte Lametta mittlerweile aus allen Haushalten verschwunden sei. Ist es aber nicht. Auch wenn es nicht mehr bleihaltig ist – die Gefahr für Katzen beim Verschlucken kann lebensbedrohlich werden. Sie davon abzuhalten dürfte geradezu unmöglich sein, zumindest was das Spielen mit den glänzenden Bändern und sonstigen Ketten/Schnüren angeht. Die Katzenzunge, die ja vielfältig genutzt wird, kann dabei zum Verhängnis werden. Wie die meisten wohl wissen sind auf der Zungenoberfläche winzige „Dornen“ (darum so rau), mit denen es der Katze leichter fällt sich zu putzen und damit ihr Fell zu „kämmen“. Außerdem sind sie bestens dafür geeignet, Reste von Fleisch von den Knochen ihrer Beute abzuschaben. Diese Dornen sind aber nach hinten (zum Rachen) gebogen – das hat zur Folge, dass eine Katze alles was sie im Mäulchen hat ab einem gewissen Punkt gar nicht mehr ausspucken kann! Alles geht dann nur noch in Richtung Rachen und sie hat keine andere Wahl, als das was sich da „verfangen“ hat abzuschlucken, um sich davon zu befreien.
Folgen:
Eine Sache ist dabei wirklich äußerst wichtig: Ist es passiert und es hängt vielleicht noch ein Faden vom Lametta aus dem Mäulchen, dann bitte, bitte NICHT daran ziehen!! Das Lamette ist an den Seiten manchmal so scharfkantig, dass man der Katze schwere innere Verletzungen zufügen kann, wenn man daran zieht. Das ein Riss im Darm, in der Speiseröhre o.ä. ein absoluter Notfall ist, muss ich bestimmt nicht weiter erläutern. Ebenso kann sich das verschluckte Lametta im Darm zu einem Knoten verklumpen und damit einen Darmverschluss auslösen. Bedenken Sie immer, dass der Darm einer Katze sehr dünn ist und keine große Menge verschluckt werden muss, dass sowas passiert. Da könnte dann tatsächlich jede Hilfe zu spät kommen.
Tipps zur Vermeidung:
- Der beste Tipp ist ganz einfach – verwenden Sie einfach kein Lametta! Damit wird Weihnachten auch nicht schöner und es gibt so tolle Alternativen! Und: Denken Sie bitte nicht, Sie haben das im Blick! Glauben Sie mir – das haben Sie nicht! Das geht so schnell, dass sie selbst dann zu spät kommen, wenn der Abstand nur 1 oder 2 Meter beträgt und Sie die Katze durchgehend anstarren.
Haben Sie den Verdacht oder auch den Beweis das die Katze Lametta verschluckt hat, bitte sofort den Notdienst anrufen und auf den Weg machen! Ist es noch nicht lange her, wird dieser vermutlich versuchen die Katze zum erbrechen zu bringen. Klappt das nicht, muss das Ganze operativ entfernt werden. Das gilt ebenso für andere dünne Bänder – vielleicht sogar noch mit einem hauchdünnen Draht…
Dann hätten wir noch die echten Kerzen. Ein absolutes „NO-GO“ in einem Katzenhaushalt und das nicht nur zu Weihnachten! Das flackernde Licht zieht Katzen magisch an und sie wollen daran schnuppern oder es berühren. Wenn sie merken wie heiß die Flamme ist, ist es in den meisten Fällen zu spät.
Folgen:
Schnurrhaare und Fell brennen in Sekunden! Wie schmerzhaft eine Verbrennung ist weiß jeder, der es schon mal am eigenen Leib erfahren hat – und wenn es dann noch das empfindliche Katzengesicht betrifft, ist ein schwerer Schaden angerichtet! Ebenfalls ein akuter Notfall!
Tipps zur Vermeidung:
- Verwenden Sie für den Baum eine künstliche Lichterkette – aber auch hier sollten Sie gut auf das Kabel achten, falls Ihre Katze dazu neigt daran zu knabbern… Sie haben dann bestimmt schon vorher mal beobachten können, dass Kabel für Ihre Katze sehr interessant sind.
- Für Kerzen allgemein besorgen Sie sich einfach künstliche mit Batterien. Auch die werden mittlerweile aus echten Wachs hergestellt und auch das Licht sieht meist täuschend echt aus – und alles völlig ungefährlich!
Sind Sie und vor allem Ihre Katze (!) mit dem Schrecken davon gekommen und es bleibt bei ein paar angesengten Schnurrhaaren, haben Sie wirklich Glück gehabt! Bitte überprüfen Sie trotzdem das Gesicht Ihrer Katze, ob sie sich evtl. doch eine Verbrennung zugezogen hat. Auch hier würde ich den Rat vom Tierarzt einholen und der entscheidet dann, was das Beste für die Katze ist.
Hat sich die Katze aber wirklich verbrannt ist größte Eile angesagt! Durch den Schmerz und den Schreck kann sie einen lebensbedrohlichen Schock erleiden! SOFORT und so schnell wie nur möglich mit ihr zum Tierarzt!
DER WEIHNACHSTSTERN
Gefahrenquelle: Der Pflanzensaft
Auch das sollte eigentlich jeder Katzenhalter wissen aber dennoch passiert haufenweise jedes Jahr wieder. Es gibt ihn in klassischem rot, in weiß, mittlerweile auch gescheckt und gefleckt. Auch wenn sie hübsch anzuschauen sind, haben alle eines gemeinsam: Sie sind für Katzen hochgiftig! Natürlich nur dann, wenn sie daran knabbern. Dabei ist es nicht das Blatt oder die Blüte selbst sondern der milchige Saft der austritt, wenn die Pflanze beschädigt wird. Schon kleine Mengen sind ausreichend um die typischen Symptome hervorzurufen und unter Umständen auch schon lebensbedrohlich!
Folgen:
Wie schon erwähnt ist es der milchige Saft um den es geht. Wird der von der Katze aufgenommen, könnte dieser Reizungen, Fieber, Durchfall, Erbrechen und Koordinationsprobleme verursachen. Außerdem fängt die Katze an extrem zu speicheln, die Pupillen erweitern sich und die Katze wird aphatisch.
Die Gefahr ist deshalb so groß, weil schon eine geringe Menge ausreichend ist und die Wirkung schnell eintritt! Ganz besonders gefährdet sind natürlich Katzenbabies und heranwachsende Miezen! Dann wird es richtig eng, außer die Tierarztpraxis ist bei Ihnen im Haus.
Tipps zur Vermeidung:
- Naja, am sichersten ist es auf den Weihnachtsstern zu verzichten oder sich eine künstliche Pflanze hinzustellen, was angesichts der Folgen für die Katze eigentlich nicht schwerfallen sollte.
- Aber oft ist es ja so, dass man ihn geschenkt bekommt. Das ist natürlich nett gemeint und man kann auch nicht von jedem Besuch erwarten, dass dieser sich damit auskennt. Stellen Sie den Stern solange der Besuch da ist an einen für die Katze wirklich(!) unerreichbaren Ort – am besten ein Zimmer, dass Sie verschließen können. Ich persönlich würde ihn danach entsorgen oder weiterverschenken – selbstverständlich an jemanden der keine Katze hat…! ;o)
Ein absoluter Notfall, der sofortiges Handeln erfordert! So schnell wie nur möglich ab zum Tierarzt!
DIE SCHOKOLADE
Gefahrenquelle: Das „Theobromin“ in der Schokolade
Gerade zu den Feiertagen ist sie allgegenwärtig. Aber was uns vielleicht "nur" dick macht, könnte für eine Katze sogar tödlich sein. Warum? Sie enthält den Stoff Theobromin. Das ist ein sog. Alkaloid und strukturverwandt mit Koffein. Es befindet sich in allen kakaohaltigen Lebensmitteln und natürlich auch in Schokolade. Dabei gilt: Je dunkler die Schokolade umso giftiger für Katze und nebenbei bemerkt auch für den Hund. Da den Katzen das Enzym fehlt um das Theobromin aufzuspalten, wird es nur sehr langsam vom Körper abgebaut. Das wiederum hat zur Folge, dass die Substanz toxisch wirkt. Jetzt könnte man wohl sagen, dass es kaum eine Katze gibt, die eine Tafel Schokolade futtert – das Problem ist aber, dass es nur eine ganz geringe Menge sein muss. Da Katzen noch empfindlicher darauf reagieren als Hunde, beginnt eine giftige Dosis bei etwa 20 mg pro kg Körpergewicht. Das entspricht einem kleinen Krümel! Eine normalgroße Tafel wiegt meist zwischen 90 und 100 g. Wir
sprechen aber von mg, das sind umgerechnet nur 0,02 g! Symptome können auch bei dieser geringen Menge schon auftreten, während ab 60 mg pro kg tödliche Folgen wie Krampfanfälle und Herzprobleme möglich sind.
Folgen und dosisabhängige Symptome
- 20 mg/kg: Erste Anzeichen wie Unruhe, Nervosität, Erbrechen oder Durchfall können auftreten
- 40 - 50 mg/kg: Herzprobleme wie Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen sind möglich
- Ab 60 mg/kg: Schwere Verläufe mit Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen und Störungen der Bewegungsabläufe können folgen
- Ab 100 mg/kg: Die Dosis kann tödlich sein
Tipps zur Vermeidung:
Natürlich könnte man komplett auf Schokolade verzichten, aber wer will das schon? Also halten Sie es wie auch mit Medikamenten, Nadel und Faden und allen Dingen die die Katze nicht erreichen darf: Lassen Sie keine angebrochene Verpackung offen liegen. Alles was mit Schokolade zu tun hat, gut in einem Schrank oder einer Schublade verstauen. Besonders wichtig ist es dann, wenn Sie zu Bett gehen oder das Haus verlassen! Die Langeweile verleitet Katzen zu allerhand Blödsinn, den sie vielleicht sonst nicht tun würden.
Auch das ist ein absoluter Notfall! Wenn Sie irgendwas der aufgezählten Symptome bei Ihrer Katze erkennen können und evtl. auch gesehen haben das sie etwas aufgenommen hat, kontaktieren Sie umgehend den Notdienst! Bitte warten Sie nicht erstmal bis Morgen ab...! Dann könnte es zu spät sein. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig! Nehmen Sie zur Sicherheit auch die Schokoladenverpackung mit.
